Noch mehr verarbeiten…

Fortsetzung von Haledron zu Verarbeiten, verarbeiten…

Ich bin ja eher ein Gewohnheitstier. Um glücklich zu sein, muss ich wissen wo mein Computer steht, meine Comics wohnen und meine Milch in der Nacht den Käse kuschelt. Kurz – das Nomadentum ist nicht mein Fall. Nun ist es so, dass ich schon seit bald drei Jahren teilweise mehrmals pro Woche zwischen zwei Wohnungen pendle und auch in beiden zumindest die nötigsten Dinge bunkere – Kaffee und Honig. So gesehen ist es eine wesentliche Verbesserung für mich, wenn unser dreier Lebensmittelpunkt zusammenrückt.

Leider plane ich sehr gerne und in der Regel weit voraus. So beginne ich bei der ersten Äußerung von neuen Wohnideen zunächst im Kopf zu überschlagen, was diese finanziell bedeuten würden um anschließend meine Erkenntnis gleich lautstark mitzuteilen – sehr zum Leidwesen aller Träumer und Visionäre. Ich sehe mich selbst zwar nicht als ängstlichen Menschen, aber ich bin ehrlich gesagt viel zu träge für Geldsorgen und versuche diese deshalb so weit wie möglich von mir weg zu halten.

Dazu kommt eine ernüchternde Realisierung, die relativ früh in unseren Köpfen erblüht ist: Wir leben ja in einer offenen Triade – was bedeutet, dass gemeinsames Wohnen auch Platz für Treffen außerhalb unserer Dreisamkeit bieten sollte. Und ehrlich gesagt kann ich mir schwer vorstellen als Vollzeit arbeitende Person jeden Morgen einem anderen Metamour das Waschbecken zu überlassen, wenn ich gerade selbst mich mit der Zahnbürste versuche aus Morpheus süßer Umarmung zu schrubben.

Also klingt eine Date-Wohnung nach einer tollen Idee, oder? Im Grunde ja, wenn man sich eine solche leisten kann/will. Mit zwei Wohnungen wird leider ebenso der zentrale Vorteil der mehrfachen finanziellen Absicherung zunichte gemacht. Abgesehen davon würde eine zweite Wohnung zusätzlich eine Fluchtmöglichkeit, bzw. ein Arbeitszimmer ermöglichen, was sich positiv auf die Langzeitzufriedenheit auswirken könnte.

Was mir als Kontrollfreak wiederum nicht sehr behagt, ist die Vorstellung, nicht mehr alleine oder zu zweit über meine Finanzen entscheiden zu können. Was wenn zwei von drei sich einig sind und ich mich nicht mehr bei solchen Fragen durchsetzen kann? Ich war bislang in dieser Hinsicht recht verwöhnt, da ich den größeren Teil des Geldes zum Haushalt von Faedora und mir beigesteuert habe. Und wenngleich ich sehr großzügig sein kann, war ich bisher immer in der Position die letztgültige Entscheidung für Anschaffungen zu treffen. Auf der anderen Seite wäre es auch erfrischend, diese Verantwortung abgeben zu können. Mal ein wenig laufen lassen und weniger die Zügel straff ziehen. Wenn ich länger drüber nachdenke, wird diese Idee immer sympathischer.

Dann bleibt nur noch die mulmige Frage – bin ich überhaupt ein Familienmensch? Ich meine, ich habe zwar eine schöne und behütete Kindheit erlebt aber spätestens nach der Schule ist mir das familiäre Zusammenleben mit dem starren Ablauf und den vielen Regeln sehr auf die Nerven gegangen – wie wird es sein, wenn ich mich in dieses starre Korsett zurückbegebe? Wird es mir leichter fallen, weil ich die Schnüre selbst festziehe oder bleibt mir trotzdem die Luft zum Atmen weg?

All diese Dinge schwirren munter in meinem Kopf umher und lenken meine Ameisen nachhaltig davon ab, meine Weltherrschaftspläne in die Tat umzusetzen. Zumindest weiß ich, dass ich in dieser Sache nicht alleine bin und sich noch mindestens zwei weitere Menschen – und ein Katzi – den Kopf zerbrechen. Mau!

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Über Haledron

Man stelle sich einen Ameisenhaufen vor. Man stelle sich vor, jede Ameise hat ein Klemmbrett mit wichtigen Informationen und jede Menge Motivation, besagtes Klemmbrett an seinen Bestimmungsort zu tragen. Man versuche sich vorzustellen, dass dieser Bestimmungsort ein großes Megafon ist. Haledron will sein eigenes Geschlecht aufmachen, andere Definitionen sind irgendwie nicht passend für ihn. Man kann ihn leicht ablenken und noch leichter faszinieren, denn er findet alles irgendwie interessant. Haledron hat seinen eigenen Spiegel immer dabei und mal spricht dieser statt ihm. Haledron liebt den Genuss.
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